Was sind die GHG Scopes?

GHG Protokoll - Carbon Accounting mit System

Das Greenhouse Gas (GHG) Protokoll ist eine Initiative, die durch die Festlegung von Standards und der Orientierung an wissenschaftlichen Erkenntnissen wie dem IPCC-Report eine Systematik und Vergleichbarkeit für das Bemessen von Emissionen schaffen will. Man spricht bei der Bestimmung von Emissionen und der Normalisierung über das CO2-Äquivalent auch von Carbon Accounting. Im Jahr 2001 wurde durch das vom World Ressource Institute (WRI) und dem World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) ins Leben gerufenen Programm die erste Reihe an Standards für die Emissionsberechnungen für Unternehmen entwickelt. Mehrere Weiterentwicklungen dieser Standards führte schließlich zur Entstehung der ISO 14064-I: Specification with Guidance at the Organization Level for Quantification and Reporting of Greenhouse Gas Emissions and Removals.

Später folgten neben den Standards für Unternehmen Berechnungsgrundlagen für Kommunen, Projekte, die sich dem Klimaschutz annehmen, sowie zur Bestimmung von Emissionen von Produkten über mehrere Lebenszyklen oder geographischen Bezügen wie der Bestimmung von CO2-Emissionen außerhalb der EU .

Anwendungsbereich und Grundlagen

Das GHG-Protokoll orientiert sich am 1997 von den Vereinten Nationen beschlossenen Kyoto-Protokoll und umfasst daher die Betrachtung diverser Treibhausgase (THG). Darunter fallen die bekannten THG wie Kohlenstoffdioxid (CO2) und Methan (CH4), aber auch Lachgas (N2O), Fluorkohlenwasserstoffe (FKW), perfluorierte Kohlenwasserstoffe (PFCs), Schwefelhexafluorid (SF6) und Stickstofftrifluorid (NF3). Bei der Berechnung wird die Masse der anfallenden THG mit dem Global Warming Potential (GWP) der Gase multipliziert, um die Vergleichbarkeit in CO2-Äquivalenten zu erreichen.

Neben der Berechnungsgrundlage und den zu berücksichtigenden THG-Emissionen ist die Festlegung von Bilanzierungsgrenzen sowie des Bilanzierungszeitintervalls unabdingbar. Im GHG-Protokoll werden dafür zwei Herangehensweisen definiert. Der Equity Share Approach beschreibt die Betrachtung aller Emissionen innerhalb der Eigentumsgrenzen, während der Control Approach alle Emissionen im kontrollierbaren Bereich umfasst. Generell wird zudem zwischen direkten und indirekten Emissionen unterschieden. Direkte Emissionen sind Emissionen, die ihren Ursprung innerhalb der Grenzen eines Unternehmens haben. Hierbei kann es sich beispielsweise um Heiz- und Kühlsysteme, emissionsreiche Fahrzeuge der betrieblichen Flotte oder auch andere Prozesse handeln, bei denen fossile Kraftstoffe verbraucht werden. Indirekte Emissionen entstehen außerhalb der Unternehmensgrenzen. Eine weitere Unterscheidung der Emissionsquellen wird in den GHG-Scopes getroffen.

Scope 1, 2 und 3

In welchem Scope die Emissionen liegen, kann einen enormen Einfluss auf die Art der Bestimmung der Emissionen und die Möglichkeit der Reduktion der Emissionen haben. Im GHG-Protokoll wird in drei Scopes unterschieden.

Emissionen in Scope 1

Alle direkten Emissionen sind Scope 1 zuzuordnen. Direkte Emissionen sind Emissionen, die innerhalb der Unternehmensgrenzen entstehen und dem Kontrollbereich der Unternehmung zuzuordnen sind. Hierzu gehören Emissionen durch Firmenfahrzeuge, Heiz- und Kühlsystemen sowie Prozessen, bei denen fossile Energieträger, Kühlmittel o. Ä. verbraucht werden.

Das Unternehmen hat auf die Emissionen in Scope 1 den größten Einfluss und die größte Kontrolle. Theoretisch sind diese Emissionen direkt messbar und könnten daher zu Primärdaten gehören. In der Praxis werden aber auch diese Emissionen meist über Verbräuche und Emissionsfaktoren berechnet. Dennoch wird den Werten der Scope-1-Emissionen die höchste Genauigkeit zugeschrieben.

Emissionen in Scope 2

Emissionen in Scope 2 gehören zu den indirekten Emissionen, sprich Emissionen, die in den Kontrollbereichen anderer Akteure:innen entstehen. Unter die indirekten Emissionen in Scope 2 fallen entstandene Emissionen von eingekauften Energieträgern, Strom, Dampf, Wärme und Kälte. Die Beeinflussbarkeit ist bei den Emissionen in Scope 2 geringer als bei den Scope-1-Emissionen. Dennoch kann ein Unternehmen durch die Wahl des Strommixes oder der verwendeten Energieträger auch Emissionen in Scope 2 verringern.

Emissionen in Scope 3

Zu den Emissionen in Scope 3 zählen alle indirekten Emissionen, die innerhalb der Lieferketten vor- sowie nachgelagert anfallen. Hierbei sind der Transport- und Produktionsemissionen von Rohstoffen, Komponenten, Vorprodukten, etc. zu berücksichtigen. Ebenso sind Emissionen, die durch die Nutzung und Entsorgung eigens hergestellter Produkte entstehen, in Scope 3 anzusiedeln.

Die Emissionen in Scope 3 sind schwer zu erfassen, da es häufig nicht möglich ist, auf Primärdaten zurückzugreifen. Stattdessen muss auf Datenbanken mit Sekundärdaten zurückgegriffen werden. Analog zu den Hürden bei der Erfassung der Emissionen ist auch die Beeinflussbarkeit und Steuerung der Emissionen in Scope 3 mit großen Herausforderungen verbunden.

Wo liegen die Schwierigkeiten?

Um die Emissionen einer Unternehmung oder eines Produkts korrekt zu erfassen, ist es notwendig, die Emissionen in allen drei Scopes zu erfassen und zu berücksichtigen. Neben großen Schwierigkeiten bei der Datenerfassung der eigenen, direkten Emissionen und allen Parametern, die für Scope 1 relevant sind, entstehen durch das notwendige Zurückgreifen auf Sekundärdatenbanken und Vergleichswerte für die Emissionen in Scope 2 und 3 hohe Risiken von Datenunsicherheit und Ungenauigkeit der Berechnungen.

Nach dem GHG-Protokoll beruht die Erfassung der Emissionen in Scope 3 aufgrund dieser Schwierigkeiten auf einer freiwilligen Basis. Unternehmen, die ihre Emissionen nach dem GHG-Protokoll erfassen wollen, können ihre Betrachtung auf die Emissionen in den Scopes 1 und 2 beschränken. Die nachfolgende Tabelle zeigt die gesamten Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen globaler Unternehmen im Jahr 2019.

Cement and concrete
82
18
Air transport
78
32
Pharma
26
74
Printing and packing business
25
75
Fertilizer*
19
81
Chemicals
19
81
Oil and gas
8
92
Fast-moving consumer goods
7
93
Mining
5
95
Apparel
5
94
Retail
4
96
Automotive
2
98
Scope 1 und 2
Scope 3
*Includes agricultural chemicals
Source: McKinsey & Company analysis, drawing on selected data from CDP and McKinsey's Catalyst Zero solution

Dieser Umstand zeigt die Grenzen der Berechnungen nach dem GHG-Protokoll auf. Wie in der obigen Tabelle veranschaulicht, fallen in einer Vielzahl an Sektoren die meisten Emissionen in Scope 3 an. Die Nichtberücksichtigung der Emissionen in Scope 3 stellt daher eine enorme Vereinfachung und Ungenauigkeit der Gesamtemissionen eines Produkts oder einer Unternehmung dar. Dennoch ist es sinnvoll, zunächst Transparenz in die Emissionen in den Scopes 1 und 2 zu bringen und dann mit dem erworbenen Wissen und unter der Verwendung von Lebenszyklusanalysen nach wissenschaftlicher Methodik die Emissionen in Scope 3 zu bestimmen.