Warum der Erfolg beim Product Carbon Footprint am Datensatz hängt
Wenn in einem produzierenden Unternehmen „PCF“, „Ökobilanz“ oder „LCA“ auf dem Tisch landet, wirkt es zuerst wie ein Rechenproblem. In der Praxis ist es fast immer ein Daten- und Prozessproblem: Informationen liegen verteilt in ERP, PLM, MES, Energiemonitoring, Excel-Dateien und bei Lieferanten, und sind selten sofort zuordenbar, versioniert und belegbar.
Dieser Artikel zeigt, welche Datensilos Sie typischerweise zusammenführen müssen, was im Life Cycle Inventory (LCI) wirklich passiert, und welcher Ablauf sich bewährt, damit am Ende normkonforme, reproduzierbare und auditfähige Ergebnisse entstehen.
Begriffe & schnelle Orientierung
Cradle-to-Gate: Bilanzgrenze „von Rohstoffgewinnung/Zukauf bis Werkstor“.
PCF nach ISO 14067: Quantifizierung des CO₂e-Fußabdrucks eines Produkts auf LCA-Basis.
LCA nach ISO 14040/44: Methode zur Bewertung von Umweltwirkungen über den Lebensweg.
LCI (Life Cycle Inventory / Sachbilanz): Phase, in der aus Unternehmensdaten belastbare Stoff- und Energieströme entstehen.
Allokation: Regelwerk, wie gemeinsame Verbräuche transparent Produkten zugeordnet werden.
Datenqualität & Versionierung: Nachweis, Herkunft und Versionsstände für reproduzierbare Ergebnisse.
Die Datensilos, die Sie zusammenführen müssen
Der kritische Schritt: LCI-Modellierung
Im LCI werden aus Ihren Daten konsistente Input-/Output-Flüsse pro funktioneller Einheit. ISO 14040/44 beschreiben LCI als zentrale Phase der LCA.
Typische Failure-Modes im Mittelstand:
Energie vorhanden, aber nicht allokiert: Zählerwerte sind „Werk gesamt“, nicht „Produkt“.
Lieferanteninfos unstrukturiert: PDF/Excel ohne Workflow, unklare Systemgrenzen.
Einmalprojekt statt Prozess: Ergebnis ist eine Momentaufnahme, nicht wiederholbar.
Wenn Sie LCI sauber aufsetzen, wird aus „Einmalrechnung“ ein systematischer, auditfähiger Footprint-Prozess.
Empfehlung: Scope minimal stabilisieren, BoM sauber ziehen, Energie pragmatisch allokieren, Lieferantenpriorisierung nach Hotspots. Stolperfalle: „Schnell rechnen“ ohne Versionierung → Ergebnis ist nicht verteidigungsfähig.
Szenario 2: „Viele Varianten, hohe Änderungsrate“
Empfehlung: Automatisierung der Datenströme (ERP/LCA-Integration) und klare Versionierung der Modelle, um Änderungen nachvollziehbar zu machen.